Chronische Schmerzen bei Hunden: Ist Gabapentin die Lösung?

Chronische Schmerzen bei Hunden: Ist Gabapentin die Lösung?

„Man denkt ständig daran, auch wenn man lieber nicht möchte. Chronische Schmerzen sind penetrant und nichts scheint zu helfen – oft nicht einmal Ibuprofen.“ Dies hört man oft in der menschlichen Schmerztherapie. Aber gilt das auch für Hunde? Häufig wird angenommen, dass Gabapentin bei chronischen Schmerzen bei Hunden hilft, doch der Einsatz ist oft unpassend und sogar gefährlich. Gabapentin wirkt bei neuropathischen Schmerzen, doch Arthrose und andere chronische Schmerzen bei Hunden sind mechanischer Natur und sprechen auf Gabapentin nicht an.

Unterschiedliche Schmerzarten bei Hunden verstehen

  • Akuter Schmerz: Akute Schmerzen kennt jeder – etwa durch einen Stoß oder einen kleinen Unfall. Hunde erleben das ebenfalls. Solche akuten Schmerzen lassen sich schnell behandeln und klingen in wenigen Tagen ab.
  • Chronischer Schmerz: Chronischer Schmerz wird definiert durch eine ununterbrochene Schmerzperiode ab etwa drei Monaten und entwickelt sich zu einem dauerhaften Problem.
  • Chronifizierter Schmerz: Chronifizierter Schmerz hat tiefe Auswirkungen auf das physische, psychische und soziale Wohl des Hundes. Beispielsweise können langanhaltende Rückenschmerzen zu Fehlbelastungen führen.
  • Schmerzgedächtnis und neuropathischer Schmerz: Bei chronifizierten Schmerzen entwickeln sich Nervenreaktionen, das sogenannte „Schmerzgedächtnis“. Neuropathische Schmerzen bei Hunden entstehen häufig durch Nervenstörungen, wie bei Bandscheibenproblemen.
  • Arthrose- und Gelenkschmerzen: Arthrose ist eine degenerative, entzündliche Erkrankung der Gelenke. Diese Schmerzen treten vor allem bei Bewegung auf und lassen sich nicht durch Gabapentin bei chronischen Schmerzen lindern.

Fallbeispiel: Gabapentin bei Hunden und Fehldiagnosen in der Praxis

Ein Fall aus der Praxis zeigt die Risiken von Gabapentin bei chronischen Schmerzen. Ein achtjähriger Greyhound entwickelte nach einer Impfung Symptome wie Rückenschmerzen und Schwäche in der Hinterhand. Ein neurologischer Test führte zur Verschreibung von Gabapentin, was eine vollständige Tetraparese auslöste. Erst das Absetzen von Gabapentin und eine funktionelle Untersuchung führten zur Genesung.

Grafik der Funktionsprüfung (Kinematik)

Funktionelle Diagnostik zur Schmerzbehandlung bei Hunden

Funktionelle Diagnostik zur Schmerzbehandlung

Nach der funktionellen orthopädischen Untersuchung wurde der Hund kinematisch kontrolliert behandelt. Die Untersuchung zeigte deutliche positive Ergebnisse und half dabei, mechanisch-bedingte Schmerzursachen zu identifizieren und zu behandeln.

Die Konsequenzen der Therapie mit Gabapentin bei Hunden

Wie im Beispiel verdeutlicht, wird Gabapentin bei chronischen Schmerzen oft vorschnell verordnet. Dabei ist Gabapentin vor allem für neuropathische Schmerzen vorgesehen, nicht jedoch bei mechanischen oder chronischen Schmerzen wie Arthrose. In solchen Fällen sediert Gabapentin den Hund lediglich, ohne die Schmerzursache zu lindern. Dies führt zu einem trägen Verhalten ohne tatsächliche Schmerzreduktion.

Fazit

Gabapentin ist für neuropathische Schmerzen geeignet, jedoch keine Lösung für arthrosebedingte oder mechanische Schmerzen bei Hunden. Ziel der Schmerztherapie sollte echte Linderung sein und nicht Sedierung.