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Tierarztpraxis orthoVET

Welpenpass/Junghundpass Teil 3 

(Kontrollierter Aufbau des Hundes)

 

Wie ich vor einigen Monaten angekündigt habe, gibt es eine Trilogie über den Aufbau des Welpen. Nun ist auch der dritte Teil fertig. 

Er geht vor allem um das Konzept und die Idee des  Welpen-  Junghundaufbau.  Wie ich schon in früheren Beiträgen  erwähnt habe, wird einiges an Prophylaxe wie Impfungen, Entwurmung, Sozialisierung in Welpen- und Junghundkursen angeboten. Sehr viele Gedanken drehen sich um Ernährung und einige andere Aspekte. Ausser Acht gelassen oder wenig betrachtet wird der Verlauf des skelettalen Wachstums.  Nebst der Haut ist das Skelettsystem des Hundes das zweitgrösste Körpersystem. Daher ist wichtig, sich einige Gedanken über Wachstum, Bewegung und Reifung des Skelettsystems zu machen und diese hier im „Teil 3“ festzuhalten.

 

 

Video „Welpenpass Teil3“

 

 

 

 

 

 

Der oben im Video vorgestellte Welpe wurde in der 4. Lebenswoche vorgestellt, da er einen Unfall in der Wurfkiste mit der Mutter hatte und bereits eine deutliche Lahmheit hinten rechts aufwies. Er wurde anschliessend in einer Klinik vorgestellt, die die Röntgenbilder angefertigt haben. Sie wollten bereits eine chirurgische Intervention in Betracht ziehen mit einem Marknagel. Die Züchterin hat in Folge dessen den Welpen bei mir vorgestellt. Wir haben dem Kleinen das Becken sowie die die Achse der Gliedmasse und die Winkelstellung des Oberschenkels in Verbindung zum Hüftgelenk korrigiert. Die Lahmheit war innerhalb von 4 Tagen verschwunden.

Die Züchterin musste mit dem Welpen im eigenen Garten mehrmals täglich ein kleines «Bergtraining» absolvieren, damit die Hintergliedmasse richtig aktiviert wurde. Zur  Überwachung und Gewährleistung des geregelten Wachstums haben wir der Züchterin angeboten, den Hund weiter in Kontrolle zu haben. Dies erfolgte in regelmässigen Abständen und letztendlich konnte festgehalten werden, dass dieser Unfall für den Hund aus orthopädischer Sicht ohne bleibenden Schäden ausgeheilt ist. 

 

 

Das Ziel des Welpenpassprogramms

  1. Prophylaxe von Junghunderkrankungen wie ED, HD und OCD
  2. Kontrollierter Aufbau der Bewegung
  3. Prophylaxe von Schmerzen und  die Gewährleistung der Entwicklung eines gesunden Körpersystems

 

1) Prophylaxe von Junghunderkrankungen


Allgemein bekannt ist, dass Erkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie, Ellenbogendysplasie aber auch die OCD genetische Ursachen aufweisen. ABER nicht nur. Die Bewegung, die Ernährung, allgemeiner Gesundheitszustand, also die phänotypischen Komponenten, sind genauso wichtig. Der Genotyp bestimmt allgemein zu 50% die Wahrscheinlichkeit dieser Erkrankungen, die restlichen 50 % sind  umweltbedingt.  Bewegung und Ernährung  sind die wichtigsten Komponenten. Bezüglich der Bewegung ist folgendes zu berücksichtigen. Das Hüftgelenk ist zum Zeitpunkt der Geburt nur zu einem Drittel verknöchert, genauer der hintere Anteil des Hüftgelenks. Der Rest ist knorpelig. Die Verknöcherung des Acetabulums ist in der 26. Alterswoche vollständig abgeschlossen. Allgemein gilt der Zeitraum von der 12. – 20. Alterswoche als sehr sensibel, bezüglich Ausbildung oder Vermeidung der sekundären HD. Allzu wildes Toben oder Balgen mit anderen Hunden, unkontrollierte und enge Bewegungen sind zu vermeiden, damit die Vektorkräfte (unterschiedliche Belastungsfaktoren) in das Hüftgelenk im physiologischen (gesunden) Bereich bleiben.

 

Damit die Kraft vom Oberschenkelkopf in die Hüftpfanne der Norm entspricht, kontrollieren wir den Welpen/ Junghund im Zeitraum von der 12. bis zur 28. Woche. Wir messen das Wachstum, die Muskelbäuche die Höhe etc. aus, wenden die kinetische und kinematische Bewegungsmessung an und objektivieren damit den Verlauf des Wachstums. Bei jeder Behandlung wird der Hund zusätzlich orthopädisch und neurologisch untersucht. Form-Funktions-Veränderungen im Skelettsystem werden orthopädisch manuell korrigiert. Dadurch stellen wir sicher, dass alle notwendigen Massnahmen getroffen werden, um das Wachstum geregelt ablaufen zu lassen. Mit dem schriftlichen Bewegungsprogramm erhalten Sie die empfohlenen Zeiten für Spaziergänge und einen kleinen Bewegungsplan in dem steht was erlaubt und was zu vermeiden ist. Unter diesen Voraussetzungen können wir sicherstellen, dass genau die umweltbedingten Bedingungen minimiert werden können, sofern die Empfehlungen eingehalten werden.

 

 

2) Kontrollierter Aufbau der Bewegung

 

Wie schon erwähnt, ist die korrekte Bewegung sehr wichtig für ein gesundes Wachstum sowie Aus- /Aufbau der Muskulatur. Gerade für Arbeits- und Sporthunde ist ein gleichmässiges Wachstum der Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder unabdingbar. Je besser Orthostatik und Orthodynamik eingehalten werden, desto effizienter und erfolgreicher ist der Aufbau des Hundes. Dies ist unabdingbar, da der sportlich geführte Hund nur dann die optimale Leistung erbringt, wenn das Skelettsystem von der optimalen und funktionalen Muskulatur bewegt wird. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, so ist das erste Zeichen einer krankhaften Orthostatik und Orthodynamik der Passgang. Leider wird der Passgang von Tierärzten wie Laien sowie Trainer immer noch nicht als nicht normale Bewegung verstanden, und deshalb oft bagatellisiert. In Ihrem Paper «canine gait analysis» von Brittany Jean Carr und David L. Dycus DVM (Diplomate ACVS, Veterinary Orthopedic & Sports Medicine Group, Maryland, USA) weisen sie darauf hin, dass der Passgang für den Hund, wohl eine oft auftretende aber abnormale und krankhafte Gangart/ Bewegungsmuster ist. Somit ist die Prävention von einem Passgang eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes orthopädisches Wachstum. In diesem Zusammenhang sind objektive Messmethoden der Kinetik und Kinematik die wichtigste Grundvoraussetzung.

Damit dies eingehalten wird, kontrollieren wir unsere Welpen ab der 12. Lebenswoche in rhythmischen Abständen von jeweils 4 Wochen. Die Besitzer erhalten das bereits erwähnte schriftliche Protokoll für die kontrollierte Bewegung, welche zusätzlich, individuell an das jeweilige Tier angepasst und diskutiert wird. Daraus resultierend, können wir sagen dass wir alle Massnahmen getroffen haben, die von unserer Seite her zu beeinflussen sind. Unterdessen können wir durch regelmässige Kontrollen, sich jederzeit einschleichende, orthopädische Probleme oder Kompensationshaltungen aufdecken und therapieren.

 

 

3) Prophylaxe von Schmerzen, Förderung einer gesunden körperlichen und mentalen Entwicklung

 

Hundewelpe /Junghunde sind vergleichbar mit Kleinkindern und Jugendlichen. Ein gesundes Wachstum ist wichtig für die körperliche, skelettale und psycho-soziale Entwicklung. An oberster Stelle steht die Prophylaxe und Vermeidung von Schmerzprozessen. Einerseits körperliche Gesundheitsprozesse, anderseits akute und chronische Schmerzprozesse haben negative Auswirkungen auf die ganze körperliche, geistige und soziale Entwicklung des Welpen. Aber wo können solche Prozesse interaktiv wirken? Ich möchte nur einige Beispiele nennen.

Das Immunsystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden, indem zu wenig oder zu viele  weisse Blutkörperchen gebildet werden. Sind zu Wenige vorhanden, ist der Hund immunlabil, will heissen, hat zu wenige Abwehrkräfte. 

Sind zu Viele da, ist dies ein Zeichen von einer laufenden Infektion (baketeriell, viral, parasitär) oder es ist ein Stressblutbild. 

Oft laufen Anämien (Blutarmut, zu wenig rote Blutkörperchen) simultan dazu ab. Was den Hund in seiner Leistungsbereitschaft negativ beeinflusst. 

Zusätzliche Probleme können sich durch Schmerzzustände im Verdauungsapparat manifestieren. Appetitlosigkeit, „schlechter Fresser“, wechselnde bis weiche Kotkonsistenz sind weitere Faktoren, die beim jungen Hund oft anzutreffen sind, welche nebst anderen Ursachen auch auf einen Schmerzprozess hinweisen können. 

Durch Wachstum ausgelöste Knochenschmerzen sind beim Junghund ebenfalls manifest, wie beim Knaben in der Pubertät. Hyperaktivität ist nur ein Zeichen dafür, wie der Hund versucht, diesen Stressor zu lösen ( Übersprungsreaktion ).

Die mentale und intellektuelle Entwicklung, die Lernbereitschaft und geistige Flexibilität oder Konzentrationsbereitschaft sind vermindert, vor allem beim Schmerzpatient, im engeren Sinn dem Kopfschmerzpatienten.

Nicht zuletzt sind die sozialen Aspekte, im engeren das Verhalten des Hundes, mitbeeinflusst. Ein Schmerzpatient kann mit Aggression, Angst oder aber auch mit Passivität und Apathie reagieren. 

An dieser Stelle gäbe es noch einige Punkte aufzulisten, dies würde aber den Rahmen sprengen. Nur die wichtigsten Kriterien sind erwähnt.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen  hilfreiche Argumente aufzeigen, warum ein Welpenpass so wichtig ist. Da aktuelle Hundehalter müde von Prophylaxen sind (Impfungen, Entwurmungen etc.) ist  sinnvoll, sein Augenmerk vermehrt  auf den von uns angebotenen Welpenpass zu legen.

 

 
   
   
 

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Dr. med. vet.

Patrick Blättler Monnier

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